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Vorneweg: Ich frage mich ganz ehrlich, ob es irgendjemanden gibt, der für die CeBIT-Karten Geld bezahlt hat. Nachdem ich mich wie Oskar darüber gefreut habe, dass ich bei einem Gewinnspiel der Deutschen Bank eine Karte gewonnen hatte, bin ich mit Angeboten wie „Kommen Sie mit uns zur CeBIT" nur so überschüttet worden und hätte letztlich eine komplette türkische Familie mit Tickets aus dem Netzwerkportal XING versorgen können.
Der Zauber der CeBIT, so wie ich ihn das letzte Mal vor geschätzten 11 oder 12 Jahren verspürt habe, existiert nicht mehr. Wir haben uns von 9:30 bis 17:00 auf der Messer aufgehalten und so gut wie alle Hallen zumindest oberflächlich durchlaufen, aber der richtige Kracher blieb diesmal aus. Ganz grundsätzlich subsummiere ich die interessantesten Neuerungen unter folgenden Überschriften.
3D-Fernsehen/3D-Spiele
Es schien, als stünde die Hardwareseite der CeBIT im Fokus der 3D-Anwendungen. Wo man hinschaute, gab es diese formschönen Brillen, die mit ausgefeilter Elektronik bis zu 120 Mal pro Sekunde das Auge blind schalten. Ja, es sind tolle Effekte, die damit produziert werden können und ja, ein Spiel wird realistischer, wenn man das Gefühl hat, dass der Dreck bei DIRT2 direkt ins Gesicht fliegt, aber zu welchem Preis? Momentan scheint die Technik einfach noch nicht ausgereift genug, um Kopfschmerzen bei längerem Spielen wirklich zu unterbinden. Ich habe von mehreren Messebesuchern folgende Aussage oder ähnliches gehört: „Wie soll ich denn mit diesem Geflimmere mehr als eine halbe Stunde lang spielen?". Die freundliche Dame am Nvidia-Stand meinte zwar, dass das an den Halogenleuchten liegen würde, die in der Halle verbaut sind, so recht trauen tue ich dem aber nicht. Ich denke, dass ich noch warten werde, bis die Technik ein wenig ausgereifter oder mein Hirn digitalisierter ist, bevor ich mich mit einer solchen Cyborg-Brille ausstatten lasse.
Neuer Personalausweis
Der Staat war mit einem riesigen Aufgebot auf der CeBIT vertreten und hatte dabei vor allem ein Ziel: mach den Bürgern den neuen Personalausweis schmackhaft und zeige ihnen, was man neben der Erfüllung George Orwell'scher Visionen noch alles mit diesem Stück Plastik machen kann.
In der Tat gibt es zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten für den neuen Perso, der viele Dinge im Leben wirklich vereinfachen kann. Vorbei die Zeit, wo man nach einem Autokauf erst einmal durch halb Berlin fahren musste, um das neue Vehikel anzumelden. Vorbei die Zeit, wo man sich mit Post-Ident rumschlagen musste, um ein simples Tagesgeld bei einer Onlinebank zu eröffen. Und vorbei die Zeit, wo man sich mit den unterschiedlichsten Zertifikaten gegenüber den Behörden zu identifizieren hatte, wenn man es wagte, online mit ihnen zu kommunizieren. Ich bin gespannt, wie teuer der Ausweis sein wird und wie genau verhindert werden soll, dass der Identitätsdiebstahl im Netz nicht noch ganz andere Züge annimmt.
Cloud Computing
Der Megahype der CeBIT, aber doch irgendwie nichts Neues. Mit SETI@home wurde das Prinzip bereits vor 15 Jahren eingeführt und doch scheint erst jetzt so langsam der kommerzielle Durchbruch zu gelingen. Mit immer schnelleren Internetverbindungen wird möglich, dass Anwendungen nicht mehr zwingend auf dem lokalen Rechner geladen und installiert werden müssen. Der User bezieht die Software einfach übers Netz und bezahlt auch nur für die Nutzung. Für Privatanwender mag diese Form des Cloud Computing erst in einigen Jahren interessant werden, doch für Unternehmen zeigt sich schon jetzt, dass die Anschaffung teurer IT-Systeme immer mehr durch den zeitweisen Bezug von Rechenleistung von externen Anbietern via Netzwerkkabel verdrängt wird.
Ich bin gespannt, was sich in den nächsten Monaten bei der Weiterentwicklung der drei Themen tut. Für mich waren das jedenfalls die Highlights der diesjährigen CeBIT und momentan bin ich noch nicht sicher, ob ich mir die Fahrt nach Hannover auch in 2011 wieder antun werde.
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