Tag 1
Meran - Matatz
10:45 bis 20:45
0,0km
Um 10:45 ging es dann endlich los. Bett - check, Balkon - check, Schrank - check...Nach der Sicherheitskontrolle unseres Zimmers und der schweißtreibenden und nervenaufreibenden Prozedur des Rucksackpackens ging es in Richtung Hotellobby und ans Bezahlen. Aus welchen Grund auch immer, aber das Hotel hatte doch tatsächlich eine alte mechanische Waage im Keller stehen. Das Ergebnis hatte jedoch nichts Gutes zu bedeuten. Mit Äxcel seinen Objektiven im Gepäck sollte die nächsten Tagen nun ein Gewicht von über 18kg auf meinem Rücken lasten. Da kann ich nur von Glück reden, dass Alex sich bereit erklärt hat, die Kamera vor seiner Brust zu tragen. Wenn diese annähernd 2kg auch noch in meinem Rucksack verschwinden hätten müssen, wäre ich wahrscheinlich nach hinten umgekippt.
An dieser Stelle ein erster Wandertipp: Achtet darauf, dass die Gurte des Rucksacks knapp über bzw. knapp auf der Hüfte liegen und dass das obere Fach, falls euer Rucksack so etwas hat, möglichst nah am Körper festgeschnallt wird. Andernfalls werdet ihr dies bereits nach wenigen Stunden in eurem Rücken merken. Ich habe das gemerkt und schon nach wenigen Kilometern den Rucksack noch einmal komplett neu eingestellt.
Unser erstes Zwischenziel an diesem schönen Vormittag war Dorf Tirol, doch leider war dieses Örtchen nirgendwo ausgeschildert, sodass wir einen Briefträger nach dem Weg fragen mussten. Wir wussten in dem Moment nicht so recht, ob wir bleiben oder ob wir wegrennen sollten, denn als der Postbote zu sprechen angefangen hat, wussten wir, dass dieser zumindest in der Vergangenheit irgendwelche Drogen konsumiert haben muss. Vollkommen verwirrt und mit einer ellenlangen Wegbeschreibung hat er kommunizieren wollen, dass der Weg nach Dorf Tirol "per pedes" sehr lang und beschwerlich sein soll. Ich denke, dass er unsere großen Rucksäcke einfach nicht gesehen hat, anders kann ich mir nicht erklären, warum er uns vor einem langen Wanderweg warnen wollte. Letztendlich haben wir den von ihm beschriebenen Weg gefunden und festgestellt, dass es auch per pedes kein besonders antrengender Weg ist. Wäre da nicht diese unbeschreibliche Hitze gewesen. Wir, bzw. besonders ich, haben geschwitzt wie zwei Schweine und unsere ersten Wasservorräte waren schnell aufgebraucht.
Von Dorf Tirol ging es dann vorbei an der Talstation der Hochmuthbahn weiter zum Tiroler Kreuz und damit auch zum Eingang in den Naturpark Texelgruppe. Langsam aber sicher wurde die Straße zum Wanderweg und der weitere Aufstieg zum Longfallhof war schweißtreibend und beschwerlich. Am Anfang der Wanderung ist besonders schlimm, dass der Körper sich noch nicht an das Gewicht desGepäcks gewöhnt hat und alles, wirklich alles sehr schnell anfängt weh zu tun. Das fängt mit den Muskeln an und hört bei den Gelenken auf.
Unsere erste längere Rast haben wir dann also am Longfallhof gemacht, der freitags leider immer ruhetagsbedingt geschlossen hat. Nichtsdestotrotz haben wir und von unserem Proviant bedient und die Bergluft genossen.
An dieser Stelle haben leider vollkommen unverhofft die Akkus der EOS 400D versagt und fortan mussten wir für den Rest des Tages also mit Nickys CASIO Exilim vorlieb nehmen. Besser als nichts, aber doch kein wirklicher Ersatz.
Von der Laurinstraße in Meran bis zum Longfallhof haben wir letztlich 2:45h gebraucht und sind dabei in einem doch sehr ambitionierten Tempo gelaufen. Bereits zu diesem Zeitpunkt konnten wir feststellen, dass man innerhalb kürzester Zeit mehr schwitzen kann als man Wasser hat.
Entgegen der überaus freundlichen Art der Südtiroler in den Gasthöfen und Gasthäusern lassen die Umgangsformen mancher Mitwanderer leider ein wenig zu wünschen übrig, sodass wir uns zu folgender Regel haben hinreißen lassen: "Ein freundliches 'Grüß Gott' ist wahlweise durch ein 'Grüß Satan' oder ein einfaches 'Stirb!' zu ersetzen, falls die Umstände dies erfordern."
Unser Ziel an diesem ersten Wandertag sollte Magdfeld sein. Laut unserem Reiseführer und diverser Karten gibt es dort einen Gasthof mit Übernachtungsmöglichkeit und Abendessen. Gegen kurz nach 18:00 sind wir in Magdfeld angekommen und haben uns sogleich auf die Suche nach dem Gasthof gemacht. Schnell haben wir ihn gefunden und sofort sind uns die vielen Hunde aufgefallen, die uns artig und lauthals begrüßt haben. Auf der Treppe ist uns grußlos ein Mann entgegengekommen, welchen wir für einen Touristen hielten. Weit gefehlt! Dies war der Hüttenwirt, der sich gerade auf dem Weg ins Nachbardorf befand und es nicht für nötig befand, uns darüber zu informieren, dass sein Gasthof heute Ruhetag hat. Doch leider wussten wir das zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Nach langem Klopfen und Nachforschungen hat sich bei uns die Erkenntnis verhärtet, dass heute wohl niemand mehr öffnen würde. Unter Begleitung zahlreicher Hunde haben wir uns wieder auf die Treppe nach oben zur Straße gemacht und wer kommt uns da in seinem Auto entgegen: richtig, der Hüttenwirt. Er war zwar der deutschen Sprache sehr gut mächtig, unser Problem hat er dennoch erst nach mehrere Anläufen verstanden. Wir wollten nämlich gerne wissen, ob heute überall Ruhetag ist oder ob wir im nächsten Dorf mehr Glück haben werden. Nach langem hin und her war dann klar, dass wir es in dem cirka 2h entfernten Matatz probieren sollten, denn da wäre heute kein Ruhetag.
Der ganze Körper hat zu diesem Zeitpunkt geschmerzt und uns unmissverständlich klargemacht, dass das Gepäck zu schwer und der Weg zu weit gewesen sind.
Nach etwas mehr als zwei Stunden sind wir dann zuerst im Krustenhof aufgeschlagen, wo uns der Inhaber freundlich aber leider bestimmt mitteilte, dass sein Haus für heute schon ausgebucht sei. Gleichzeitig hat er uns aber geraten, es knapp 40-50 Höhenmeter weiter oben beim Valtelehof zu probieren. "Ihr könnt ruhig über die Wiese laufen oder aber die Straße benutzen." Wir haben uns für die steile "Wiese" entschieden und anfangs ein Wettrennen aus dieser Tortur gemacht. Wir beide haben aber recht schnelle festgestellt, dass diese Art des Competition am Abend eines langen Wandertages nicht sein muss und haben uns auf ein Remis geeinigt. Vom oberen Ende der Wiese schrie uns der Wirt unserer Unterkunft in spe noch zu, dass wir nach rechts laufen sollten, da dort ein Übergang zur Straße wäre, doch der Äxcel und ich haben uns für den Weg durch die goldene Mitte und damit einen morschen Zaun entschieden. Leider war dort alles voller Brennesseln und wir hatten kurze Hosen an. Was solls, wer ein Mann sein will...
Eines haben wir mit diesem Endspurt jedenfalls erreicht: wir fahren das Gespräch des Abends bei unseren Gastgebern und der Joseph meinte noch: "...ich habe in meinem ganzen Leben noch nie zwei junge Burschen so schnell die Wiese hochrennen sehen...". Obwohl es nun schon nach 21 Uhr war, haben wir noch ein deftiges Abendbrot in Form von Röstis mit Spiegelei und Speck bekommen und das Bier hat so lecker wie noch nie geschmeckt.
Ich bin beim Essen fast auf dem Tisch eingeschlafen und jeder Teil meines Körpers hat höllisch geschmerzt. Beim Aufstehen habe ich erst gemerkt, was wir an diesem Tag alles geschafft haben.
Übrigens, nur cirka eine halbe Stunde nach unserem Eintreffen im Valtelehof hat sich ein mächtiges Gewitter über uns entladen und hat uns gezeigt, warum Gewitter in den Bergen so gefährlich sind. Ständig hat es geblitzt und gedonnert und der Regen fiel in dicken Fäden herunter. Die Temperaturen sind merklich gefallen und das Duschen haben wir uns aufgrund der Blitzschlaggefahr lieber gekniffen. Nach zwei Runden Mario Karts bin ich schnell eingeschlafen. Alex hat noch ein wenig weitergespielt und Musik gehört, bis auch er gemerkt hat, dass der Tag sehr anstrengend war.