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Tag 3

Pfelders - Zwickauer Hütte

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Das Wannenbad am Abend und das gemütliche Bett haben Wunder bewirkt. Zwar schmerzte noch immer fast jeder Teil meines Körpers, doch ein ungewohntes Gefühl von Mobilität hat sich über Nacht in unseren Körpern eingenistet.

Nach dem vorüglichen Abendessen mir Cordon Bleu und Pfeffersteak waren wir richtig gespannt, was es denn nun zum Frühstück geben würde. Wir wurden nicht enttäuscht. Das im Gasthof Edelweiss, dem Schwesternhof des Häuslerhofs, aufgetischte Früshtück war fantastisch und glänzte mit einer Riesenauswahl. Es gab Müsli, lecke Wurst, Käse, mehrere Marmeladen, Milch, Kakao, Tee, Kaffee und sogar frisches Obst. So konnten wir unsere leeren Vitaminspeicher mal wieder auffüllen und uns so auf eine anstrengende Tour auf einen mit 2985m "Fast"-Dreitausender zumindest kulinarisch vorzubereiten.

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Wie bislang fast jeden Tag sind wir wieder gegen halb 11 losgekommen und liefen somit quasi schon fast in der Mittagshitze los. Letztlich ist das eine Grundsatzentscheidung, die man beim Wandern treffen muss: möchte ich schlecht gelaunt und undausgeschlafen schwitzfrei wandern oder möchte ich gut gelaunt und munter schweißgebadet auf Wandertour begeben. Wir haben uns, wie auf einigen Fotos in der Galerie auch zu sehen ist, für die zweite Variante entschieden. Damit sind wir aber, soweit wir das durch Beobachtung beurteilen konnten, höchstwahrscheinlich in der Minderheit gewesen. Es schien, als ob die Mehrzahl der Wanderer doch dazu tendiert, früh loszulaufen, um dann gegen 16 Uhr auf einer Hütte oder in einem Gasthof zu sein, um dort dann den Nachmittag zu genießen.

Ein wenig demotivierend bei dem Weg von Pfelders zur Zwickauer Hütte ist, dass man schon von ganzen unten in Pfelders das Ziel der Wanderung sieht und glaubt mit, 1.400 Höhenmeter sehen auch so aus. Es scheint fast so, als würde man das Ziel nie erreichen, doch das ist wohl nur ein Trugschluss unerfahrener Wanderer, wie sich schnell herausstellte.

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Ganz im Gegensatz zu den letzten Tagen, wo es in den Wäldern des Passeier und anfangs auch des Pfelder Tals immer ein wenig bergauf und dann aber auch wieder bergab geht, ist eine Berghüttentour nur auf eines ausgelegt: brutale und möglichst schnelle Überwindung von Höhenmetern. Ich möchte nicht lügen, aber soweit ich mich erinnern konnte, ging es auf diesem Weg nicht einmal bergab. Eine ebene Strecke war da das höchster aller Gefühle.

Es ist ein sehr erhabenes Gefühl, wenn die eben noch so mächtig wirkenden Häuser in Pfelders nur noch als kleine Objekte aus der Ferne zu sehen sind und das Teleobjektiv helfen muss, uns daran zu erinnern, wie denn der Gasthof heißt, wo wir gerade gegessen hatten. Unterwegs sind wir auch einem der berühmten Elektrozäune mitten am Weg vorbeigekommen, den ich aber, wie auch fotografisch dokumentiert, gekonnt überwunden habe. Ich denke, dass Äxcel insgeheim gehofft hat, dass ich mir mein Gemächt beim dem Versuch verbrutzel, den Zaun ohne Berührung zu übersteigen.

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Je näher wir dem Gipfel kamen, desto dünner wurde die Luft und ein Nangar Parbat-Feeling machte sich bei uns beiden breit. Wir mussten dabei an eine Reportage denke, die wir beide kurz vor der Reise gesehen hatten, in der die Besteigung des Mount Everest gezeigt wurde. Die Menschen dort haben für die letzten paar Meter eine Ewigkeit gebraucht. Nun gut, wir waren nicht auf 8.000m ;-), aber der geringere Sauerstoffgehalt hat sich trotzdem in Schnaufen und dem Einlegen von mehreren Pausen geäußert. Nach cirka 4 Stunden haben wir dann das letzte steile Stück vor der Zwickauer Hütte erreicht und es trennnten uns nur noch bescheidene 100 Höhenmeter vor dem verdienten Skiwasser und der Apfelschorle.

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Ein Tipp an dieser Stelle: Skiwasser ist um Längen billiger als Apfelschorle und schmeckt auch gut. Den Durst löscht es allemal.

Bevor wir jedoch den letzten Anstieg bewältigen konnten, mussten wir ein kleines Schneefeld erklimmen. Da wir vor unserem Versuch bereits die ersten Touristen runterschliddern sahen, wussten wir, dass wir mit unserem schweren Gepäck wohl aufpassen müssen. Letztlich haben wir für das kurze Stück gefühlte 10 Minuten und mehrere Nahtoderlebnisse gebraucht. Na ja, vielleicht ist das jetzt auch ein wenig übertrieben, sicher waren das erste Ausfallerscheinungen aufgrund der Höhenluft :-).

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Auf 2985 Metern über n.N. konnten wir eine atemberaubende Aussicht bis in die Dolomiten genießen und die riesigen Firnfelder haben eines wieder gerade gerückt - der Mensch ist wirklich nur zu Gast auf dieser Welt und ist im Vergleich zu der Natur ein Nichts.

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Mit einem Skiwasser und einer Apfelschorle in der Hand haben wir auf der Terrasse der Hütte noch die letzten Sonnenstrahlen genossen, bis wir festgestellt haben, dass es a) schon ziemlich kalt ist und b) dass wir ganz schön viel Sonne abbekommen haben.

An dieser Stelle ist uns dann noch eingefallen, dass einer unsere Arbeitskollegen die glorreiche Idee hatte, dass wir doch eine Flagge auf einem 3000er hissen könnten, auf der unsere beiden Abteilungsnamen zu sehen sind. Eine Flagge...klar...woher nehmen, wenn nicht stehlen? Ich habe mich füür Stehlen entschieden und ein Unterhemd vom Äxcel annektiert. Okay, nicht annektiert, er hat vorgeschlagen, dass wir es als Flagge benutzen. In mühevoller Kleinarbeit haben wir dann mit zwei Kugelschreibern das Unterhemd zur Flagge umfunktioniert und an Alex seinem Stock, Noah, festgebunden. Fertig war eine wunderschöne Flagge.

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Der einzige warme Raum auf einer Hütte ist die Stube und so wundert es nicht, dass sich zur Abend- und Essenzeit so langsam aber sicher alle Hüttenübernachter in selbiger einfanden und Essen bestellten. Für uns gab es mal wieder Rösti mit Spiegelei und Speck, denn die Auswahl war nicht sehr groß. Wie auch, schließlich müssen alle Zutaten und alle Getränke aus dem weit entfernten Tal mit einem Lastenaufzug hochgefahren werden. Ein teurer Spaß...

Für 10€ gab es dann noch eine Flasche Rotwein und wir haben die Kniffel-Würfel ausgepackt. Nachdem ein Teil unserer Tischnachbarn, echte Hessen, irgendwo verschwunden waren, blieb nur noch Mario übrig. Wir haben ihn so getauft, weil er nach einer Flasche Rotwein einfach nur ein rotes Gesicht hatte und ein wenig bedeppert an die Wände guckte. Trtotzdem hatten wir das Gefühl, dass er ein wenig neidisch auf unser Kniffelspielen war.

Den ganzen Tag wandern, eine warme Stube, Erschöpfung und Wein sind aber auch wirklich eine interessante Mischung. Nach einer halben Flasche Rotwein haben wir erst dann gemerkt, dass wir ein wenig angetütelt waren, als die Tür der Stube aufging und für einen kurzen Moment ein wenig Kälte von draußen hereinkam. Alex meinte daraufhin sehr treffend:

"Der Wein ist warm."

Vor dem Zubettgehen haben wir noch den atemberaubenden freien Blick auf die Sterne genossen und uns dann kurz nach 22 Uhr zum Schlafen begeben. Äxcel wollte meinen weisen Rat leider nicht annehmen, in dem 8-Bettzimmer vielleicht doch mit Ohrstöpseln zu schlafen. So kam es, wie es kommen musste und er versucht um halb drei, in völliger Dunkelheit, von seinem Doppelstockbett ohne Leiter zu mir herunterzukommen, um nach einem Paar Ohrstöpsel zu fragen. Der üble Schnarcher hat uns am nächsten Morgen dann nur mit einem "Ja, wir Hesse haben's drauf!" begrüßt.

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Zuletzt aktualisiert am Montag, 10. August 2009 um 06:49 Uhr