Tag 4
Zwickauer Hütte - Stettiner Hütte - Katharinaberg
0:00h
0,0km
In böser Vorahnung darauf, dass die heutige Etappe mit Sicherheit kein Zuckerschlecken werden würde, hat nach einer nicht besonders erholsamen und von exzessivem Schnarchen geprägete Nacht um 6:45 der Wecker geklingelt. Um 7:00 so munkelte man am Vortag würde es sicher ein Frühsstück geben.
In der Tag gab es etwas zu essen, jedoch hätte ich die Ansammlung von Brot, Butter und einer unglaublich süßen und nur nach Zucker schmeckenden Marmelade nicht als Frühstück bezeichnet. Der Hunger hat es reingetrieben und letztlich gab es sogar einen leckeren Kakao aus der Küche.
Langsam haben wir beide Routine bekommen bei der morgendlichen Rucksackpackaction und so haben wir es tatsächlich geschafft, gegen 8:30 die Hüte zu verlassen und uns auf eine Gratwanderung zu begeben. Okay, so ein richtiger Grat war es nicht, aber es war eben eine Wanderung entlang eines Berges um eine Hütte auf ähnlicher Höhe zu erreichen.
Nachdem wir unser erste Schneefeld überquert hatten, stand eine Treppe vor uns, die uns ein wenig an Helm's Klam aus Herr der Ringe erinnert hat. Steil, eng und einfach nur hoch. Mit 18 Kilo Gepäck auf dem Rücken und einer nicht unerheblichen Falltiefe vor Augen hatte ich schon ein wenig Respekt, aber ich habe es ja überlebt. Nach diesem kurzen Aufwärts-Intermezzo ging es dann eigentlich erst einmal nur noch bergab. Auf engen Pfaden und immer den Abgrund auf der einen und den Berg auf der anderen Seite ging es immer weiter hinunter.
Wir hatten am Tag davor bereits ein Murmeltier auf einer Schneezunge laufen sehen, aber heute war dahingehend Premiere, alss dass wir nun zum ersten Mal gehört haben, wie Murmeltiere untereinander kommunizieren und Warnlaute abgeben. Schon lange bevor wir die Murmeltiere bemerkt haben, haben diese uns schon beobachtet und geben einen lauten Schrei aus, der an einen Greifvogel erinnert. Kurz danach sieht man dann, wenn man genau hinschaut, weitere Murmeltiere, wie sie, fast ein wenig wie Erdmännchen, die Umgebung screenen und nur darauf warten, dass der Eindringlich Mensch bald wieder verschwindet.
Ein Erlebnis der ungewöhnlichen Art hatten wir dann mit einer Wolke, die sich um den Berg geschlängelt hat und dann einfach direkt auf uns zukam. Wolken schmecken nach nichts, sie riechen nach nichts und sie fühlen sich auch nicht anders an als normale Luft. Allein für diese Erkenntnis hat sich der Trip schon gelohnt. :-)
Auf geschätzten 2.200m haben wir dann eine ausgedehnte Rast gemacht, nachdem uns weitere Schneefelder genervt haben. Es ist ein richtiges Abenteuer, ohne Steigeisen und mit dem dicken Rucksack auf dem Gepäck, ein hundert Meter langes Schneefeld zu überqueren, wenn es weitere 50 Meter schräg bergab geht und nach dem Schneefeld auch keine Ebene, sondern ein Steilhang wartet. Ich weiß nicht genau, ob wir tatsächlich so weit gerutscht werden, aber ungefährlich war dieser Übergang mit Sicherheit nicht.
Umso näher wir uns der Stettiner Hütte näherten, desto mehr Schnell war links und rechts unseres Weges zu sehen. An der einen Stelle, kurz vor einem mehrere hundert Meter langem Schneefeld, bin ich dann sogar in den tiefen Schnee eingebrochen. Ohne die Hilfe eines fremden Wanderstockes wäre ich da wahrscheinlich wirklich nur mit Mühe wieder herausgekommen.
Das dann folgende Schneefeld war die Hölle für mich. Äxcel hatte noch genug Luft und ist vorgelaufen, aber ich musste mich wirklich quälen. Ich hatte kein Wasser und jeder Schritt fühlte sich wie ein Schritt zu viel an. Die letzten 200 Höhenmeter zur Stettiner Hütte waren für mich sehr qualvoll und ich war heidenfroh, als ich die auf 2875m gelegene Hütte endlich erreicht habe.
Nach einer ausgedehnten Rast mit viel Skiwasser und Kaiserschmarrn ging es weiter in Richtung unseres eigentlichen Tagesziels Jägerrast auf cika 1.500m. Der Abstieg in Richtung Eishof ist nicht besonders steil und so haben wir uns animiert gefühlt, die zeitlichen Angaben auf den Wegkreuzen schlagen zu wollen und sind in einem Mordstempo ins Tal gestürmt.
Am Eishof haben wir noch einmal eine Rast gemacht und festgestellt, dass es einen sogenannten Hüttenschluck gibt.
Von Eishof bis Jägerrast sollte es laut den Karten und unserem Reiseführer nicht mehr allzulange sein, doch schon auf dieser Strecke merkten wir, dass das Herunterstürmen von der Stettiner Hütte nicht besonders gut für unsere Knie war. Als der Gasthof Jägerrast endlich in Sicht war, hatten uns unsere Lebensgeister schon fast verlassen und wir freuten uns auf ein leckeres und erfrischendes Getränk.
Leider haben sich unsere Träume nach einem gemütlichen Bett in Jägerrast schnell verflüchtigt und obwohl es schon nach halb 7 war, konnte uns die Wirtin des Gasthofes Jägerrastes leider nur noch mitteilen, dass leider alle Zimmer belegt sein. Mist! Und das Heu? Das war leider noch zu frisch und ein Schlafen im Schuppen war damit unmöglich. Also haben wir darum gebeten, im nächsten Ort, Katharinaberg, min. 2,5h entfernt, nach einem freien Schlafplatz zu fragen.
Gott sei Dank haben wir die Zusage bekommen, im Monferthof übernachten zu dürfen. Meine schüchterne Frage, ob wir denn noch etwas zu essen bekämen, auch wenn wir sicher erst nach 21 Uhr ankommen würde, wurde mit einem "Natürlich!" beantwortet. Das nenne ich Gastfreundschaft.
Also musste wir uns Wohl oder Übel auf den anstrengenden Marsch nach Katharinaberg machen, obwohl unsere Beine uns sagen wollten, dass sie eigentlich nicht mehr wollen.
Am Wegesrand sind wir dann einigen unheimlichen Gestalten begegnet, die mit ihren großen Fernrohren angeblich Gämse beobachtet haben. :-)
Die 2,5h zum Monferthof oberhalb von Katharinaberg waren die Hölle.Vor allem meine Beine schmerzten höllisch und ich hatte schon die böse Vorahnung, als wenn unser Cross-Hiking von der Stettiner Hütte nicht unbedingt das Beste für meine Knie waren.
Im Monferthof angekommen wurden wir herzlich empfangen, haben ein tollen Zimmer zugewiesen bekommen und sind dann auch bald zum Essen in die Stube gegangen.